Deutschland hinkt beim Aufbau von Ladestationen hinterher – Heizölpreise legen leicht zu

„Ich bin 74 und habe keine Zeit mehr, die ich an Ladesäulen verschwenden könnte“. Die Rallye-Legende Walter Röhrl bringt ziemlich genau auf den Punkt, woran es bei der Akzeptanz der Elektromobilität in vielen Ländern hapert. Der Ausbau von E-Tankstellen ist genau deshalb zentraler Bedeutung. Wie aktuelle Studien zeigen sind zumindest die USA auf einem guten Weg, den Nutzern von E-Autos das Leben etwas leichter zu machen.

USA: Ausbau von Ladesäulen gewinnt an Tempo
In den Vereinigten Staaten gibt es zwar aktuell durchschnittlich nur 22 Ladestationen für Elektrofahrzeuge pro 1.000 Straßenmeilen, verglichen etwa 104 Zapfsäulen für die gleiche Straßenentfernung. Aber das Land holt in diesem Bereich auf und einige Bundesstaaten haben die Wende bereits geschafft. In Massachusetts, Rhode Island, Kalifornien, Hawaii, Maryland, Colorado, Oregon, Utah und Washington gibt es bereits mehr Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge als Tankstellen.

Die Regierung unterstützt die Bemühungen, ein landesweites Netzwerk von 500.000 Ladegeräten für Elektrofahrzeuge entlang der amerikanischen Autobahnen und in den Landkreisen aufzubauen und dafür zu sorgen, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 mindestens 50 Prozent der Neuwagenverkäufe ausmachen.

Deutschland hinkt beim Aufbau von Ladestationen hinterher
Wie aber sieht es aktuell in Deutschland aus? Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gab es Ende 2022 insgesamt rund 80.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Dies mag auf den ersten Blick viel erscheinen, aber im Vergleich zur wachsenden Zahl von Elektrofahrzeugen und den langen Strecken, die sie zurücklegen müssen, bleibt die Ladeinfrastruktur eine der größten Herausforderungen. Experte für Elektromobilität betonen immer wieder, dass der Ausbau von E-Tankstellen ein kritischer Schritt ist, um die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen zu erhöhen.

Ziele und Fortschritte im E-Tankstellen-Ausbau
Bis 2030 sollen in Deutschland bis zu 10 Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen sein. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur von entscheidender Bedeutung. Das Bundesverkehrsministerium verfolgt das Ziel, bis 2030 insgesamt eine Million öffentliche Ladepunkte bereitzustellen.

Laut der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur (NLL) wurden allein im Jahr 2022 über 10.000 neue Ladepunkte in Deutschland errichtet. Dies ist ein vielversprechender Fortschritt, aber es besteht weiterhin Bedarf, das Tempo zu erhöhen. Wie der Bundesminister für Digitales und Verkehr Volker Wissing feststellt: „Die Elektromobilität ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss Schritt halten.“

Herausforderungen und Hindernisse
Trotz des Fortschritts gibt es immer noch Hindernisse für den E-Tankstellen-Ausbau. Eine zentrale Herausforderung ist die Standortwahl. Die E-Tankstellen müssen strategisch platziert werden, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Laut einer Studie des Forschungsinstituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahr 2022 gibt es nach wie vor „weiße Flecken“ in der Ladeinfrastruktur, insbesondere in ländlichen Regionen.

Finanzielle Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle. Der Bau und Betrieb von E-Tankstellen erfordert Investitionen, die nicht immer leicht zu stemmen sind. Hier setzt die Bundesregierung Anreize, zum Beispiel durch Förderprogramme und steuerliche Vorteile.

Blick in die Zukunft: Chancen und Potenziale
Der Ausbau von E-Tankstellen birgt nicht nur Herausforderungen, sondern auch erhebliche Chancen. Erstens trägt er dazu bei, die Reichweitenangst bei potenziellen Elektrofahrzeug-Käufern zu verringern. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Jahr 2022 nannten 61 Prozent der Befragten die Verfügbarkeit von Ladestationen als eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf eines Elektrofahrzeugs.

Zweitens bietet der E-Tankstellen-Ausbau wirtschaftliche Möglichkeiten. Er schafft Arbeitsplätze in den Bereichen Bau, Betrieb und Wartung der Infrastruktur. Zudem wird die heimische Wirtschaft gestärkt, wenn E-Tankstellen mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität
Der Ausbau von E-Tankstellen in Deutschland ist von zentraler Bedeutung für die Förderung der Elektromobilität und die Erreichung von Klimazielen. Die bisherigen Fortschritte sind ermutigend, doch es besteht weiterhin Handlungsbedarf, um eine flächendeckende und zuverlässige Ladeinfrastruktur bereitzustellen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierung, Industrie und Energieversorgern.

Die Worte von Bundeskanzler Olaf Scholz verdeutlichen die Dringlichkeit: „Wir wollen nicht auf eine Technologie setzen, die vielleicht in 20 Jahren keine Rolle mehr spielt, sondern wollen bei den Technologien dabei sein, die für die Zukunft wichtig sind. Das gilt besonders für die Elektromobilität, wenn denn das die Zukunft der Automobilindustrie ist, und alle Unternehmen, die in der Branche sind, sehen das so und investieren Hunderte Milliarden, damit das klappt.“

Solange der Anteil der reinen Batterie-Fahrzeuge in Deutschland überschaubar bleibt (aktuell rund 2 Prozent) spielt der Blick auf die Ölpreisentwicklung für die meisten Bundesbürger weiterhin eine wichtige Rolle. Die Preise für Gasöl, dem Vorprodukt für Dieselkraftstoff und Heizöl, legten gestern leicht zu. Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet müssen im Schnitt etwa +0,95 bis +1,55 Euro pro 100 Liter mehr bezahlen als am Dienstag.