Ölpreise reißen ein Hoch nach dem anderen

Schon seit Monaten gibt es für die Energiepreise scheinbar nur eine Richtung – nach oben. Und auch in dieser Woche sieht es so aus, als würden die Rohölpreise an den internationalen Börsen wieder neue Höhenrekorde brechen. So hat die in New York an der Börse gehandelte amerikanische Referenzsorte WTI (West Texas Intermediate) gestern erstmals seit 2014 wieder über 90 Dollar pro Barrel (à 159 Liter) gekostet.

 

Rohöl bald bei 100 Dollar?
Und auch die europäischen Rohölpreise liegen inzwischen wieder deutlich über 90 Dollar. Analysten und Marktbeobachter rechnen aber damit, dass das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht ist. Sie sehen die europäische Referenzsorte Brent, die an der Londoner Börse gehandelt wird, noch in diesem Jahr bei 100 Dollar pro Barrel.

 

Vielfältige Gründe für starken Preisanstieg
Die Gründe für die hohen Ölpreise sind vielfältig. Zum einen zeigt sich, dass die Ölbörsen Corona offenbar schon hinter sich gelassen haben, da die Nachfrage nach Öl und Ölprodukten weltweit robust ist. Trotz der starken Ausbreitung von Omikron haben die wenigsten Regierungen neue Lockdowns oder wirtschaftliche Einschränkungen verhängt, da die Impfkampagnen wirksam und die Verläufe bei Geimpften meist mild sind.

 

Gleichzeitig hinkt die Angebotsseite aber starken Nachfrage etwas hinterher, und auch dafür sind die Gründe vielfältig. Zum einen hat sich etwa die US-Schieferölindustrie immer noch nicht von dem massiven Einbruch im Frühjahr/Sommer 2020 erholt, als viele Unternehmen pleite gingen und zahlreiche Bohrexplorationen aus finanziellen Gründen abgebrochen wurden. Neu zu investieren traute man sich lange nicht, nicht zuletzt auch, weil viele Unternehmen den Druck spüren, eher auf nachhaltige Energie zu setzen.

 

OPEC+ hat Probleme
Zum anderen tut sich auch die OPEC+ schwer, ihre langsam wieder steigenden Förderziele auch umzusetzen. Die Allianz von insgesamt 23 ölproduzierenden Ländern, zu denen auch Schwergewichte wie Saudi-Arabien und Russland gehören, reguliert den Ölmarkt üblicherweise, indem sie das Angebot reguliert. Wächst die Nachfrage, produziert auch die OPEC+ mehr. Bricht die Nachfrage ein, wie 2020 geschehen, kürzt die OPEC+ ihre Förderquoten.

 

Doch nun scheint es, als habe die OPEC+ selbst Schwierigkeiten, ihre Förderkapazitäten wieder hochzufahren. Denn auch in Mitgliedsländern wie Nigeria, Libyen oder Angola haben sich Unterinvestitionen in die ohnehin oft marode Ölinfrastruktur bemerkbar gemacht und beeinträchtigen nun die Fördermengen teilweise massiv.

 

Knappe Lagerbestände treiben Preise nach oben
In der Folge sind die weltweiten Lagerbestände so knapp wie lange nicht mehr – ein Problem, dass sich aktuell auch an den enorm hohen Gaspreisen widerspiegelt, denn auch hier sind die Vorräte für die Saison viel zu niedrig. Die Sorge wächst, dass es zu massiven Versorgungsengpässen kommen könnte, sollte zum Beispiel ein Krieg in der Ukraine oder im Nahen Osten ausbrechen. Unterbrechungen in der Lieferkette, für die man ansonsten auf die Lagerbestände zurückgreifen würde, könnten dann nämlich kaum aufgefangen werden.

 

Inlands-Ausblick
Die Aussichten für die Ölpreise bleiben somit weiterhin hoch, was sich auch bei den Heizölpreisen im Inland niederschlägt. Diese haben auch heute im Vergleich zu gestern wieder zugelegt. Verbraucher müssen sich somit auf einen durchschnittlichen Preisaufschlag von +2,05 bis +2,25 Euro pro 100 Liter gefasst machen.