Ölpreise steigen sechs Wochen in Folge – Heizölpreise gehen leicht zurück

Die meisten Deutschen befinden sich in diesen Wochen im wohlverdienten Urlaub. Umfragen aus dem Frühjahr zufolge, wollten nur 17 Prozent der Bundesbürger in diesem Jahr überhaupt nicht die Koffer packen und verreisen. Lediglich 7 Prozent der Befragten planten eine Flugreise, die überwiegende Mehrheit ist demnach mit dem eigenen Auto im bevorzugten Reiseland Deutschland oder im europäischen Ausland unterwegs.

ADAC: Juli bislang teuerster Tank-Monat in diesem Jahr
Da kommen die aktuellen hohen Benzinpreise an den Tankstellen natürlich zur Unzeit. Wie der ADAC in der vergangenen Woche berichtete, markierte der Juli den teuersten Monat für Super E10 in diesem Jahr. Wenn die Deutschen aber in einigen Monaten auf die Sommermonate zurückblicken, könnten sie feststellen, dass sie letztlich noch zu sehr günstigen Kraftstoffpreisen in den Sommerurlaub gefahren sind.

Ölpreise sechs Wochen in Folge gestiegen
So waren die Notierungen an den internationalen Rohölmärkten auch am zum Wochenschluss wieder um mehr als einen Dollar pro Barrel Rohöl (159 Liter) gestiegen und verzeichneten damit die sechste Woche in Folge Zuwächse. Die ist der längste Zeitraum mit aufeinanderfolgenden Kurssteigerungen seit Dezember 2021 bis Januar 2022. Von Ende Juni bis in die erste Augustwoche hinein verteuerte sich die US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) um rund 20 Prozent, die Atlantiksorte Brent um rund 17 Prozent im Preis. Damit erreichten die beiden weltweit wichtigsten Ölsorten am Freitag ihre höchsten Notierungen seit Mitte April.

Hohe Nachfrage trifft auf niedriges Angebot
Die Erklärung für die Preissteigerungen findet sich in dem Umstand, dass eine höhere Öl-Nachfrage auf ein reduziertes Angebot trifft. So hat mit Saudi-Arabien der größte Erdölexporteur der Welt am Donnerstag seine freiwillige Kürzung der Ölproduktion um eine Million Barrel pro Tag bis Ende September verlängert und die Tür für eine weitere Verlängerung – und sogar für eine Ausweitung der Maßnahmen – offen gehalten. Russland hat außerdem beschlossen, seine Ölexporte im nächsten Monat um 300.000 Barrel pro Tag zu reduzieren.

OPEC-Ölproduktion fällt auf niedrigsten Stand seit Juni 2021
Aufgrund der Verlängerung der Produktionskürzung rechnen Analysten im September mit einem Marktdefizit von mehr als 1,5 Millionen Barrel pro Tag, nach einem geschätzten Defizit von rund 2 Millionen im Juli und August. Die Tatsache, dass die Produktion Saudi-Arabiens im Juli gegenüber Juni um 970.000 Barrel pro Tag zurückging, ließ die Rohölproduktion der OPEC+-Produktion in diesem Zeitraum auf 35,7 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen – den niedrigsten Stand seit Juni 2021.

Der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Novak ließ es sich dann am Freitag nach einer Ministersitzung der OPEC+-Gruppe nicht nehmen, noch Salz in die Wunde der internationalen Öl-Importeure zu streuen. Novaks Einschätzung nach, könnte der weltweite Ölverbrauch in diesem Jahr um 2,4 Millionen Barrel pro Tag steigen.

Analysten: Preise bis 100 US-Dollar möglich
Die Rohstoffexperten der Schweizer Großbank UBS gehen davon aus, dass die Brent-Preise in den kommenden Monaten bis auf 90 US-Dollar pro Barrel steigen werden. Andere Analysten halten sogar dreistellige Preise an den Rohölmärkten noch in diesem Jahr für möglich. Die deutschen Urlauber sind dann allerdings längst Zuhause – und die Heizöltanks hoffentlich gut gefüllt.

Nach den kräftigen Preissteigerungen in der Vorwoche, scheinen die Heizölpreise zum Wochenauftakt erst einmal eine Pause einzulegen. Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet müssen heute im Schnitt voraussichtlich etwa –0,75 bis -1,55 Euro pro 100 Liter weniger bezahlen als zum Wochenschluss.