Spritpreise in den USA: Jammern auf niedrigem Niveau

Die jüngsten Kurssprünge an den Rohölmärkten machen sich mittlerweile nicht nur beim Blick auf die Preistafeln deutscher Tankstellen bemerkbar. In den USA müssen demnächst wohl mitten in der reiseintensiven Ferienzeit viele Urlauber beim Tanken deutlich tiefer in die Tasche greifen. In der diesjährigen sogenannten „Driving Season“ sehen sich die Reisenden mit niedrigen Lagerbeständen der US-Ölvorräte, anziehenden Ölpreisen an den Weltmärkten und jetzt auch noch mit dem Ausfall einer wichtigen einheimischen Raffinerie konfrontiert.

Fünftgrößter US-Raffinerie droht monatelanger Stillstand
Die anstehenden, mehrwöchigen Reparaturarbeiten an der Anlage kommen zur Unzeit. Denn während der Ferienmonate sind sämtliche Raffinerien in den USA gewöhnlich voll ausgelastet. Und bei dem Werk in Baton Rouge, das täglich etwa 540.000 Barrel (a 159 Liter) Rohöl verarbeitet, handelt es sich immerhin um die fünftgrößte Raffinerie des Landes. Die Meldung vom Ausfall der Anlage ließ den Preis für in der Zukunft liegende Benzinlieferungen an den US-Rohölmärkten auf den höchsten Stand seit Oktober 2022 ansteigen.

Angespannter US-Ölmarkt bereits vor der Hurrikansaison
Die US-Benzinvorräte liegen derzeit zudem auf dem niedrigsten saisonalen Niveau seit 2015. Der Ausfall zeigt zudem, wie anfällig die Kraftstoffpreise bleiben, auch wenn Raffinerien an der Golfküste ihre Kapazitäten durch ein neues Bohrprojekt erhöhen und eine bereits angekündigte Raffinerieschließung erst einmal verschieben. Es ist auch eine deutliche Erinnerung daran, wie prekär die Lage am US-Ölmarkt vor der aktivsten Phase der Hurrikansaison im Atlantik ist.

Hohe Spritpreise schlagen politische Wellen
Bereits zuvor hatte der Amerikanische Automobilverband AAA die höchsten Benzinpreise an den Zapfsäulen seit Anfang Mai vermeldet. Für die US-Bürger ist diese Entwicklung besonders ärgerlich. Hatten sie sich doch gerade erst wieder an niedrigere Preise an den Tankstellen gewöhnt. Noch im letzten Jahr mussten sie aufgrund der weltweiten Versorgungsengpässe an den Rohölmärkten so viel wie niemals zuvor für ihren Kraftstoff bezahlen. Die hohen Spritpreise dominierten die Innenpolitik und die Schlagzeilen der Presse. Präsident Biden plante sogar (letztlich erfolglos) für einen Zeitraum von drei Monaten die Mineralölsteuer auszusetzen.

US-Autofahrer müsste man sein!
Angesichts der Tatsache, dass die Steuern bei 18,4 pro Gallone (3,8 Liter) Benzin und bei 24,4 Cent für die Gallone Diesel liegen, muss dieser Effekt wohl als marginal bezeichnet werden. Und überhaupt muss man ja mal feststellen, dass die Amerikaner auf niedrigem Niveau jammern. So werden für den Liter Benzin im landesweiten Durchschnitt aktuell 1,04 US-Dollar (0,94 Euro) und für einen Liter Diesel 0,97 US-Dollar (0,88 Euro) bezahlt.

Nach den kräftigen Preissteigerungen in den Vortagen, waren bei den Gasölpreisen gestern erste Gewinnmitnahmen zu beobachten. Ein größeres Abwärtspotenzial entstand hieraus allerdings bislang nicht. Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet müssen deshalb für Heizöl heute im Schnitt etwa –0,50 bis ±0,00 Euro pro 100 Liter weniger bezahlen als am Dienstagvormittag.