Weiter anziehende Heizölpreise: Gasöl verteuert sich im Juli um über 14 Prozent

Nicht wenige Ölhändler waren am letzten Freitagnachmittag überrascht, als die Preise für Diesel und Heizöl gegenüber den Vormittagsniveaus nochmals deutlich anzogen. Die Ursache für diese Entwicklung ist vor allem in der Rallye der Mitteldestillate zu finden. Denn die Preise für das sogenannte Gasöl kennen seit einem Monat nur eine Richtung: nach oben!

Gasöl verteuert sich im Juli um über 14 Prozent
Am Freitagnachmittag notierte der Gasölpreis bei 798,75 US-Dollar je Tonne und war damit nur einen Wimpernschlag von der psychologisch wichtigen Marke von 800 US-Dollar entfernt. Preise oberhalb dieser Marke wurden für Gasöl zuletzt Anfang März gezahlt. Scheiterte der Sprung über 800 US-Dollar zum Wochenschluss im europäischen Handel noch, gelang er später im US-Handel. Auch zum Wochenauftakt wird dieses Niveau bislang verteidigt. Das Ausmaß der Kursentwicklung wird vor allem auch daran deutlich, bedenkt man, dass noch Anfang Juli lediglich 700 US-Dollar pro Tonne Gasöl aufgerufen wurden.

Gasöl-Crack-Spread weitet sich weiter aus
Der sogenannte „Gasöl-Crack-Spread“, also die Differenz zwischen dem Preis von Rohöl (in diesem Falle Brent) und den daraus raffinierten Produkten, wie etwa Diesel und Heizöl, weitet sich damit aktuell auf rund 27 US-Dollar je Barrel aus. Diese Ausweitung wird von Analysten als nützliches Marktsignal für die Vorhersage weiterer möglicher Preisbewegungen sowohl auf dem Öl- als auch auf dem Markt für raffinierte Produkte genutzt. Wenn sich der Crack-Spread – wie gerade zu beobachten – erheblich ausweitet, also der Preis für raffinierte Produkte den Ölpreis übersteigt, sehen Investoren darin ein Zeichen, dass auch der Rohölpreis irgendwann steigen wird, um den Abstand wieder auf historisch übliche Niveaus zu verengen.

ARA- und US-Gasölbestände auf niedrigen Niveaus
Auf die Frage, was die Katalysatoren für die aktuelle Rallye am Markt für Mitteldestillate sind, liefern die Rohstoffanalysten der Commerzbank in einem aktuellen Kommentar einige interessante Antworten. So verweisen die Experten zum einen auf den Umstand, dass die Gasölbestände in der ARA-Region (Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen) in der letzten Woche zwar leicht gestiegen seien, aber immer noch mehr als 20 Prozent unterhalb des zu dieser Jahreszeit normalerweise üblichen Niveaus liegen würden. Zum anderen befänden sich auch in den USA die Vorräte für Mitteldestillate deutlich unterhalb ihres 5-Jahresdurchschnitts.

China: Dieselausfuhren brechen im Juni um mehr als 50 Prozent ein
Als weiterer, gewichtiger Faktor wurde zudem China genannt. Demnach habe das Reich der Mitte deutlich weniger Diesel exportiert. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörden seien die Dieselausfuhren im Juni auf 290.000 Tonnen gesunken. Dieses Zahl bedeute gegenüber den bereits schwach ausgefallenen Exporten im Mai einen weiteren Rückgang um mehr als 50 Prozent. Die bei Diesel zu beobachtende Schwäche sei deshalb auch bemerkenswert, da die chinesischen Kraftstoffexporte im Juni auf ein 4-Monatshoch kletterten. So seien die Exporte von Kerosin aufgrund der hohen Nachfrage von internationalen Fluggesellschaften auf ein 3-Monatshoch angestiegen. Den Rückgang der Benzinexporte erklären die Analysten mit einer stärkeren Inlandsnachfrage.

Mit dem Preisanstieg an den Ölbörsen steigen auch die Inlandspreise für Heizöl zum Wochenauftakt weiter an. Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet müssen deshalb heute im Schnitt etwa +1,50 bis +2,20 Euro pro 100 Liter mehr bezahlen als am Freitagvormittag.